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Brad Stephens

AKTUELLES

8. August 2007

10 Jahre D4® - Interview mit dem Australier Brad Stephens
:

Der Australier Brad Stephens hatte einen bedeutenden Anteil an der Entwicklung des D4-Segelmembransystems. Er befasst sich schon seit 1975 mit dem Design von Segeln. Wir haben mit ihm über das Thema D4 gesprochen.

Frage: Wie zu erwarten, hören Sie oft als Erster von Erfolgen mit Membransegeln aus D4 von DIMENSION-POLYANT. Welche Neuigkeiten gibt es?

Stephens: Als Hersteller wie als Segler verfolgen wir immer genau, wie sich unsere Produkte bewähren. Ich komme gerade aus Palma de Mallorca von den Regatten um den Dubois-Cup und den Superyacht-Cup. Mit der 37-m-Dubois-Yacht „Midnight“ konnten wir im Dubois-Cup einen überzeugenden Sieg erringen. Wir fuhren einen Satz Segel aus Taffeta/Taffeta Carbon/Vectran-D4-Membranen. Die Verfolgungsrennen der Superyachten haben ihren ganz eigenen, entspannten Stil, aber auch dabei segeln und trimmen wir hart und sportlich, um die Segel zu testen.

Frage: Ganz offensichtlich fahren immer mehr Open-60-Yachten Segel aus D4-Membranen. Wie kommt das?

Stephens: Ich meine, das hat mehrere Gründe. Die Segelmacherei Incidences hat schon lange und intensiv mit D4 gearbeitet, weiß genau was in diesem Material steckt, und ist immer sehr bestrebt, auf Grand-Prix-Ebene Grenzen zu durchbrechen. Die Firma steckt sehr viel Arbeit in die Entwicklung von Segeln für diese Klasse und wir tragen mit D4 unseren Teil zu den Erfolgen aller bei. Die Folge ist, dass auch die Kunden anderer Segelmacher bei Segeln für die Open-60-Klasse die Verwendung von D4-Membranen verlangen. Das freut uns sehr.

Frage: Was genau macht D4-Segel schnell?

Stephens: Ich glaube, das entscheidende Merkmal von D4 ist die raffiniert veränderte Garnrichtung – vertikal wie horizontal. Anders als bei konventionellen Segeln oder Laminatsegeln aus Rollenware, bei denen die Garne nicht kurvenförmig verlaufen, verschieben sich die Winkel zwischen den Einzelgarnen unter Last nur um Bruchteile eines Grades. Davon hängt es ab, wie ein Segel sich unter Belastung verhält, wie die Kräfte verteilt werden und schließlich, wie sich das Profil im Gebrauch verändert, selbst wenn das Segel noch neu ist.
Durch das D4-Verfahren können wir das Garn auch durchgehend bis in die Ecken – Kopf, Hals und Schothorn – führen. Das ergibt perfekte Krafteinleitung und –verteilung und damit überlegene Festigkeit.
Bei einem D4-Membransegel dienen die Dopplungen an den Ecken nur zum Schutz und nicht zur Verstärkung, wie bei einigen Konkurrenzerzeugnissen, die große, vielschichtige Dopplungen brauchen, um mit den Eckbelastungen fertig zu werden.
Auf der Grand-Prix-Ebene verzichten einige unserer Segelmacherkunden sogar auf die üblichen D4-Außendopplungen; sie beschränken sich auf kleinstmögliche Verstärkungen aus Polyestertuch, die als Unterlage zum Annähen der Gurtbänder an den Ecken unerlässlich sind. Das würden wir nicht für jedes Segel empfehlen, es zeigt aber, welche Möglichkeiten das D4-System von DIMENSION-POLYANT eröffnet.

Frage: Was war der wichtigste Schritt bei der Entwicklung von D4 und welchen Fortschritten sehen Sie entgegen?

Stephens: Ein entscheidender Punkt war schon erreicht, als wir noch gar nicht mit der eigentlichen Entwicklung von D4 begonnen hatten. Wenn man moderne, kettorientierte Laminate benutzt, kommt es darauf an, das Material beim Zuschnitt nach den Last- oder Kraftlinien im Segel auszurichten. Das heißt im Prinzip, dass das Segel aus einer Anzahl waagerechter Abschnitte besteht, in denen die kettorientierten Bahnen in Richtung der örtlichen Belastung verarbeitet werden.
Sonst haben wir bei Am-Wind-Segeln horizontale Bahnen ohne Radialschnitt vorgezogen, was völlig zufriedenstellend war.
Wir untersuchten genau, wie viele Nähte wir brauchten, um die endgültige dreidimensionale Form zu erreichen, ohne dass durch zu viele Nähte die Maßeinhaltung erschwert und die Fertigungskosten erhöht wurden.
Als wir dann über alternative Herstellungsmethoden für das D4-Verfahren nachdachten, war uns klar, dass sich die gewünschte dreidimensionale Form des Segels schon mit verhältnismäßig wenigen Nähten erzielen ließ, und wir ersetzten die herkömmlichen, abschnittsweise in unterschiedlichem Winkel verarbeiteten Bahnen aus gleichförmigem Gewebe erfolgreich durch kurvenförmig nach den Lastlinien ausgerichtete, lastorientierte Fasern.
Für die Zukunft glaube ich, dass die Optimierung des Garnverlaufs, an der wir schon jetzt arbeiten, zu unseren wichtigsten Aufgaben gehört. Denken Sie an den America´s Cup. Da haben wir dem Segelmacher, der für die chinesische Mannschaft arbeitete, Membranen geliefert. Die anderen Teams bezogen ihre Membranen alle von einem einzigen Hersteller.  Ihre Segel unterschieden sich im Garnverlauf sehr stark voneinander, obwohl sie alle sogar auf derselben  Segelentwurfs-Software beruhten!
Wir stehen also am Beginn eines langen Weges. Zurzeit arbeiten bei DIMENSION-POLYANT Maschinenbauingenieure und Werkstoffexperten daran, die Software und die Materialeigenschaften zu entwickeln, die diese anspruchsvolle Weiterentwicklung erfordert.

Frage: Für die Regattaszene scheint D4 also große Bedeutung zu haben, aber wie ist es bei den Fahrtenseglern?

Stephens: Bei der Entwicklung von D4 haben wir die Fahrtensegler immer als sehr wichtigen Markt im Auge gehabt. Wir waren und sind überzeugt, dass D4 gerade für Fahrtenyachten viele Vorteile bietet.
Die Garne können an den Reffs so angeordnet werden, dass ein gerefftes D4-Großsegel zur vollwertigen kleineren Ausgabe des ungerefften Segels wird. Die Verwendung von zwei Lagen Taffeta kommt hinzu und beides zusammen sorgt bei Fahrtensegeln für bessere Lebensdauer.

Frage: Gut, welcher Fahrtensegler sollte also D4 verwenden?

Stephens: Zunächst einmal: Je größer eine Fahrtenyacht ist, desto mehr fallen die Vorteile des D4-Systems ins Gewicht, und für jede große Fahrtenyacht, die viel unter gerefften Segeln läuft, ist D4 eine gute Wahl.

Frage: Wie haltbar sind die Segel aus D4-Membranen?

Stephens: Es ist heute jedem Segler klar, dass ein gut verarbeitetes Segel aus gewebtem Polyester von angemessenem Tuchgewicht länger hält als alles andere. Aber es ist schwerer, verliert eher seine Form und ist letzen Endes eine schlechte Wahl, wenn man Regatten gewinnen will -   abgesehen von Bootsklassen, in denen dieses Material vorgeschrieben ist.
Ein gut verarbeitetes Laminatsegel aus Rollenware oder D4-Membranen von DIMENSION-POLYANT sollte bei vergleichbaren Einsatzbedingungen eine ähnliche Lebenserwartung haben. Auf jeden Fall bin ich aus eigener Erfahrung überzeugt, dass ein D4-Membransegel sein Profil besser und länger hält als ein konventionelles Laminatsegel aus Rollenware.

Frage: Wie hat sich die Entwurfsarbeit des Segelmachers
oder Segeldesigners verändert? Bisher plante er den Zuschnitt der Bahnen, jetzt muss er sich Gedanken über Gelegepläne machen.

Stephens: Nun, in vielerlei Hinsicht bleibt es dieselbe Aufgabe. Bei modern geschnittenen Segeln aus Rollenware müssen die einzelnen Bahnen abschnittsweise entsprechend den Lastlinien im Segel verlegt werden. Dabei geht es bei jedem Segel aber nur um eine recht begrenzte Anzahl von Bahnen.
Eine D4-Membrane enthält dagegen Kilometer von Garnen, die alle einzeln millimetergenau ausgerichtet werden müssen, um die Kräfte im Segel richtig aufzunehmen.
Dabei kommt DIMENSION-POLYANT die Erfahrung seiner Entwicklungsabteilung zugute. Deren Mitarbeiter bearbeiten den vorgegebenen geometrischen Segelentwurf mit einer einzigartigen Software und viel Erfahrung, um für jede Membrane einen individuellen Gelegeplan herzustellen.
Wer Segel entwirft, will aber eigene Vorstellungen verwirklichen. Da wir das Ziel haben, für die Segelmacherbranche zum führenden Lieferanten von Membranerzeugnissen zu werden, arbeiten wir eng mit den Segelmachern zusammen, um ihre speziellen Anforderungen von Anfang an zu berücksichtigen. Eine begrenzte Zahl besonders vorgebildeter Segelmacher stellt uns auch eigene Gelegepläne zur Verfügung.

Frage: Die D4-Membransegel von DIMENSION-POLYANT sind Einzelanfertigungen, die von Anfang an nach Kundenvorgaben gefertigt werden. Warum verdrängen sie die herkömmlichen Laminatsegel nicht schneller?

Stephens: Sie sagen es, die D4-Membranen werden einzeln angefertigt. Das heißt, wir können mit der Herstellung nicht anfangen, bevor der Segelmacher die Bestellung entgegengenommen und das Segel entworfen hat. Die große Nachfrage führt bei uns außerdem zu Lieferfristen, obwohl wir uns laufend bemühen, sie zu verkürzen!
Wenn Segler neue Laminatsegel schneller haben wollen, als es unsere Lieferfristen für D4 erlauben, halten wir für den Segelmacher eine große Auswahl von Folienlaminaten als Rollenware bereit, die sich zu ausgezeichneten Segeln verarbeiten lassen.
Es gibt auch einen Preisunterschied. Die Herstellung einer Membrane für ein einzelnes Segel und eine bestimmte Yacht ist teurer als die Fertigung von Meterware für die Lieferung ab Lager.

Frage: Also gut, sagen Sie uns bitte etwas über den Preisunterschied zwischen D4 und Segeln aus herkömmlichem Material. Mit welchem Mehrpreis für D4 muss z.B. der Eigner eines Cruiser-Racers von 40 Fuß oder ca. 12 m Länge rechnen?

Stephens: Gute Frage! Wenn wir die GPL-Produktreihe von DIMENSION-POLYANT als Vergleichsmaßstab nehmen, dann müsste der Segelmacher ein Folie/Folie/Carbon-Segel mit zehn bis zwanzig Prozent Aufschlag herstellen können.
Der Kauf der D4-Membrane ist für den Segelmacher teurer, aber er braucht zur Fertigstellung des Segels wesentlich weniger Arbeitsstunden.

Frage: Sie haben inzwischen über zehn Jahre an D4 gearbeitet. Wie hat das alles begonnen?

Stephens: 1994 waren die Segel aller drei australischen Yachten, die damals am Kenwood Cup (International Ocean Racing Series) vor Hawaii teilnahmen, von uns.
Das US-Team gewann und aus verschiedenen Gründen schnitten unsere Segler nicht besonders gut ab.
Am Ende der Regatten war ganz offensichtlich, dass die Firma North Sails mit ihren 3DL-Segeln etwas Einzigartiges herausgebracht hatte, durch das sie sich vor allen anderen Segelmachern auszeichnete.
Im darauffolgenden Jahr zeigte uns der Admirals´s Cup eindringlich die beherrschende Rolle dieser Neuerung, und es lag auf der Hand, dass wir darauf reagieren mussten.
Obwohl einige uns nahelegten „aufzugeben“, nahmen wir die Herausforderung an und begannen, das zu entwickeln, was später zu D4 wurde.

Frage: DIMENSION-POLYANT, der größte Segeltuchhersteller, hat das Knowhow von D4 aufgekauft. Hat das die Entwicklung von D4 beschleunigt?

Stephens: Schon bevor DIMENSION-POLYANT dieses Knowhow gekauft hat, hatten wir erkannt, dass die Weiterentwicklung von D4 auf die Mittel und Möglichkeiten einer Firma wie DIMENSION-POLYANT angewiesen war.
Inzwischen liegt die Übernahmephase hinter uns, wir haben am Hauptsitz der Firma in Deutschland eine zweite Produktionsstätte eingerichtet und die Fertigung in Australien erheblich modernisiert. Beides soll dazu dienen, rationeller zu produzieren und die Nachfrage besser zu bewältigen.
In der Herstellung selbst arbeiten wir an einer Reihe von Neuerungen, die mit Klebstoffen und Fasern zu tun haben und bereits in der abschließenden Testphase sind. Diese Innovationen werden jetzt schon an Bord der Yachten von Seglern und Segelmachern praktisch erprobt.
Ja, durch die Übernahme wurden die Mittel bereitgestellt, die für eine schnellere Weiterentwicklung von D4 auf bewährter Grundlage unerlässlich sind.

Vielen Dank für die Informationen, Brad Stephens!

Übersetzung: Klaus Berger, Kiel